
Warnung der Bevölkerung – wissen, was zu tun ist
Ob Großbrand, Hochwasser, Unwetter, Gefahrstoffaustritt oder eine andere größere Gefahrenlage: Wenn viele Menschen innerhalb kurzer Zeit erreicht werden müssen, ist eine schnelle und zuverlässige Warnung entscheidend. Dabei gibt es heute nicht mehr den einen Warnweg. Bund, Länder und Kommunen setzen bewusst auf einen sogenannten Warnmittelmix. Sirenen, Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA, Radio und Fernsehen sowie weitere Informationswege ergänzen sich gegenseitig. Für Bürgerinnen und Bürger ist deshalb vor allem eines wichtig: Eine Warnung soll Ihre Aufmerksamkeit wecken. Informieren Sie sich anschließend über die Gefahr und beachten Sie die veröffentlichten Handlungsempfehlungen.
Sirenen – ein Signal, das Aufmerksamkeit schaffen soll
Sirenen spielen bei der Warnung der Bevölkerung weiterhin eine wichtige Rolle. Ihr großer Vorteil ist ihr sogenannter Weckeffekt: Ein Sirenensignal ist weithin hörbar und soll unmittelbar Aufmerksamkeit erzeugen. In Bayern sind insbesondere drei Signale zu unterscheiden:
Warnung der Bevölkerung
Eine Minute auf- und abschwellender Heulton. Dieses Signal bedeutet: Es besteht eine Gefahr – informieren Sie sich!
Wenn Sie dieses Sirenensignal hören, sollten Sie weitere Informationsquellen einschalten beziehungsweise aufrufen. Nutzen Sie beispielsweise die Warn-App NINA, Radio und Fernsehen oder offizielle Internetseiten.
Hörprobe:
Warnung der Bevölkerung
Entwarnung
Eine Minute gleichbleibender Dauerton. Dieses Signal bedeutet grundsätzlich, dass die unmittelbare Gefahr vorüber ist bzw. sich die Gefahrenlage entsprechend verändert hat. Beachten Sie dennoch weiterhin die Informationen der zuständigen Behörden. Auch nach einer Entwarnung können weitere Hinweise oder Verhaltensregeln gelten.
Hörprobe:
Entwarnung
Alarmierung
der Feuerwehr
Sirenen können in Bayern außerdem zur Alarmierung der Feuerwehr eingesetzt werden. Dabei ertönt dreimal ein gleichbleibender Ton von jeweils zwölf Sekunden Dauer, unterbrochen von jeweils zwölf Sekunden Pause. Dieses Signal richtet sich an die Einsatzkräfte der Feuerwehr und stellt keine Warnung der Bevölkerung vor einer allgemeinen Gefahr dar.
Hörprobe: Feuerwehralarmierung
(Quelle: BBK; StMI)
Wenn die Sirene warnt: So verhalten Sie sich richtig
Eine Sirene kann Sie auf eine Gefahr aufmerksam machen – sie kann Ihnen aber nicht sagen, welche Gefahr besteht. Deshalb ist es wichtig, nach dem Warnsignal weitere Informationen einzuholen.
Grundsätzlich gilt:
- Ruhe bewahren und aufmerksam bleiben.
- Warn-App NINA und andere offizielle Informationsquellen prüfen.
- Radio einschalten und auf amtliche Durchsagen achten.
- Cell-Broadcast-Warnmeldungen vollständig lesen.
- Lautsprecherdurchsagen von Feuerwehr und Behörden beachten.
- Den veröffentlichten Handlungsempfehlungen folgen.
- Andere Menschen informieren, insbesondere Personen, die eine Warnung möglicherweise nicht wahrgenommen haben.
- Notrufleitungen nicht durch Rückfragen blockieren. Die Notrufnummern 112 und 110 sind für tatsächliche Notfälle bestimmt.
Welche Schutzmaßnahmen notwendig sind, hängt immer von der konkreten Gefahr ab. Bei einem Brand oder Gefahrstoffaustritt kann beispielsweise dazu aufgefordert werden, Gebäude aufzusuchen sowie Fenster und Türen zu schließen. Bei Hochwasser oder anderen Ereignissen können dagegen ganz andere Maßnahmen notwendig sein.
Deshalb gilt: Nicht aufgrund des Sirenensignals selbst über die Ursache spekulieren, sondern die amtlichen Informationen und konkreten Handlungsempfehlungen beachten.
Cell Broadcast – die Warnung direkt aufs Mobiltelefon
Ein wichtiger Bestandteil des deutschen Warnsystems ist Cell Broadcast.
Dabei wird eine Warnmeldung über die Mobilfunknetze an geeignete Mobiltelefone geschickt, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer betroffenen Funkzelle befinden. Eine vorherige Registrierung oder die Installation einer App ist dafür nicht erforderlich. Die Warnung erscheint direkt auf dem Mobiltelefon und wird – abhängig von Warnstufe und Geräteeinstellungen – durch ein auffälliges akustisches Signal und Vibration begleitet.
Cell Broadcast hat damit ebenfalls einen starken Weckeffekt. Allerdings ist der Umfang einer Cell-Broadcast-Nachricht begrenzt. Deshalb sollten Sie nach Erhalt einer Warnung die dort genannten Handlungsempfehlungen beachten und sich zusätzlich über andere offizielle Warnkanäle informieren.
NINA – Warnungen und ausführliche Informationen
Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes – kurz NINA – ergänzt die Warnung um ausführlichere Informationen.
Über NINA können zuständige Behörden unter anderem mitteilen: Wovor wird gewarnt?
Welches Gebiet ist betroffen?
Wie soll ich mich verhalten?
Wo erhalte ich weitere Informationen?
Welche Behörde hat die Warnung herausgegeben?
Damit ergänzt NINA insbesondere die Warnwirkung von Sirenen und Cell Broadcast.
In der App können Orte abonniert und – sofern gewünscht – Warnungen für den aktuellen Standort aktiviert werden. Darüber hinaus stellt NINA Informationen und Notfalltipps für unterschiedliche Gefahrensituationen bereit.
Unsere Empfehlung: Installieren Sie NINA auf Ihrem Smartphone und richten Sie die für Sie wichtigen Orte ein – beispielsweise Ihren Wohnort, den Arbeitsort oder Orte, an denen sich Angehörige regelmäßig aufhalten.
MoWaS – das System hinter der Warnung
Hinter vielen dieser Warnwege steht das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS).
Über MoWaS können zuständige Behörden eine Warnmeldung erstellen, das betroffene Gebiet festlegen und die Meldung an verschiedene angeschlossene Warnkanäle weitergeben. Eine Warnung kann dadurch beispielsweise über NINA, Cell Broadcast, Radio, Fernsehen, Internetangebote und weitere angeschlossene Warnmultiplikatoren verbreitet werden.
Das Ziel: Eine wichtige Warnung soll die Menschen möglichst schnell und über mehrere voneinander unabhängige Wege erreichen. Sirenen werden auf kommunaler Ebene betrieben. Sie ergänzen diesen digitalen Warnmittelmix durch ihren besonders starken akustischen Weckeffekt.
Warnung erhalten – was jetzt?
Egal, ob Sie zuerst eine Sirene hören, Ihr Mobiltelefon eine Cell-Broadcast-Warnung anzeigt oder NINA eine Push-Nachricht sendet: Entscheidend ist, die Warnung ernst zu nehmen und sich zu informieren.
Merken Sie sich deshalb einen einfachen Ablauf:
WARNUNG WAHRNEHMEN → INFORMIEREN → HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN BEACHTEN → AUF ENTWARNUNG ACHTEN
Verlassen Sie sich dabei möglichst nicht nur auf einen einzigen Warnkanal.
Eine Sirene macht auf die Gefahr aufmerksam.
Cell Broadcast bringt eine erste Information direkt aufs Mobiltelefon.
NINA, Radio und offizielle Informationsangebote liefern weiterführende Informationen und konkrete Handlungsempfehlungen.
Erst das Zusammenspiel dieser Warnmittel macht eine wirkungsvolle Bevölkerungswarnung aus.
Warntage – damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist
Warnsysteme müssen regelmäßig getestet werden. Gleichzeitig sollen die Probealarme dazu beitragen, dass Bürgerinnen und Bürger die verschiedenen Warnwege kennenlernen und Warnsignale richtig einordnen können.
Landesweiter Probealarm in Bayern
Der landesweit einheitliche Probealarm findet in Bayern grundsätzlich am zweiten Donnerstag im März statt.
Dabei wurden unter anderem Sirenen, Warn-Apps und Cell Broadcast getestet. Um 11:30 Uhr erfolgte die Entwarnung. Erstmals wurde 2026 in Bayern auch die Entwarnung über Cell Broadcast erprobt.
Bundesweiter Warntag
Der Bundesweite Warntag findet in der Regel am zweiten Donnerstag im September statt. Gegen 11:00 Uhr wird eine Probewarnung über zahlreiche Warnkanäle ausgelöst. Neben Warn-Apps und Cell Broadcast können in teilnehmenden Kommunen auch Sirenen und weitere örtliche Warnmittel ausgelöst werden. Gegen 11:45 Uhr erfolgt die Entwarnung über die dafür vorgesehenen Warnkanäle.
Der Warntag ist kein Grund zur Sorge. Er dient dazu, die technischen Systeme zu überprüfen – und gleichzeitig dazu, dass jeder die Warnsignale kennenlernt.
Gut informiert ist besser vorbereitet
Eine Warnung kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie wahrgenommen und verstanden wird.
Machen Sie sich deshalb bereits heute mit den Warnmöglichkeiten vertraut. Hören Sie sich die Sirenensignale an, installieren Sie eine Warn-App und sprechen Sie auch mit Ihren Kindern und Angehörigen darüber, was eine Warnung bedeutet.
Denn im Ernstfall zählt nicht nur, dass Sie gewarnt werden – sondern auch, dass Sie wissen, was anschließend zu tun ist.
Weitere Informationen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
Informationen zu Warnung, NINA, Cell Broadcast und dem Bundesweiten Warntag
Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration
Informationen zu Sirenensignalen, Bevölkerungswarnung und dem landesweiten Probealarm
